Seiten

Sonntag, 15. Januar 2012

Naehen auf Muslin

Warum sollte man denn bloß von Hand auf Muslin nähen?
Bei den Quiltlink-Fans war das Thema der letzten Woche "Log Cabin" und eine ganz alte Variante der Herstellung von Log Cabin Blöcke ist das Nähen auf Muslin. Daraus hat sich dann schlußendlich unser Nähen auf Papier, das amerikanische Paper Piecing entwickelt. Aus vielen antiken Quilts guckt einem manchmal aus einer zerschlissenen Stelle eine zusätzliche Lage Muslin oder anderer Stoff entgegen und ich zeige jetzt wie das geht -- und vor allem, warum es manchmal nicht so unpraktisch ist ;)

Ausgangspunkt ist das Muster eines Log Cabin Blocks. Das wird auf Stoff gezeichnet mit einem weichen Bleistift und am besten auch gleich die Nummern der Teile eingetragen, dann muß man bei der Reihenfolge beim Nähen nicht mehr nachdenken. Außerdem ein paar Streifen in beliebiger Breite (sie sollten mindestens so breit sein wie ein gezeichneter Streifen + Nahtzugabe)

Auf der nicht mit Bleistift markierten Seite wird jetzt ein Stoffstückchen aufgelegt, das der Größe des Mittelteils entspricht (Nahtzugabe nicht vergessen). Ob das jetzt kerzengerade liegt oder nicht ist völlig egal, abdecken soll es :) Wenn die richtige Größe gewählt ist wird in der Mitte ein kleiner Heftstich gesetzt, dann verrutscht nichts mehr.
Danach knicken wir Muslin + Stoff einmal an der ersten Nahtlinie ab und falzen mit dem Fingernagel.

Und so sieht dieser Schritt von der anderen Seite aus. Man sieht den Heftstich und die gefalzte Nählinie zwischen Teil 1 und Teil 2.




Jetzt kommt der erste Streifen an die Reihe. Dem wird ein Stück Nahtzugabe mit dem Fingernagel vorgefalzt und dann rutscht er selbstverständlich in den Bug, den wir am Foto oben gerade hergestellt haben. Somit ist die Nahtzugabe definiert, der Stoff kann sich gegenseitig ein wenig anklammern und die Streifen verrutschen nicht beim Nähen.

Wem das zu unsicher erscheint, der nimmt noch eine kleine Applikationsstecknadel.

Und los geht es mit der ersten Naht. Da ist vielleicht ein "Riesenstück". Meine Stiche sind wirklich klein, das Teilchen ist also wie man sieht wirklich ein Winzling. (Streifenbreite des Batiks ist gerade mal 1")


Fertig genäht (ich mache am Faden einen kleinen Knopf, trotzdem noch Sicherungsstiche an Anfang und Ende und nähe in einer Kombination aus Vor- und Rückstichen, wie es mir mein Nähfinger gerade eingibt).

Und nun aufklappen, damit man die überstehenden Teile sieht ....

.. und mit Nahtzugabenbreite (frei gewählt) abschneiden. Fertig ist die erste Naht!

Auf diese Art wird jetzt jede Naht genäht --- zuerst wieder die nächste Nahtlinie falzen, einen Streifen anlegen, nähen, abschneiden usw., alle Arbeitsschritte von Anfang an wiederholen. Bis der Log Cabin Block fertig genäht ist so wie am Foto oben. Mit dem Bleistft wird dann noch die Nahtzugabenlinie eingezeichnet (Arbeitsschritt oben) und dann der Block zurechtgeschnitten.

Und so sieht der kleine Log Cabin dann fertig aus.

Und jetzt zu den Vorteilen dieser Methode. Es ist keine Kunst, Streifen in der richtigen Breite abzuschneiden und rund um ein Quadrat zu nähen. Je kleiner der Block allerdings wird, desto größer macht sich das Problem der Ungenauigkeit bemerkbar. Und plötzlich wird er schief und verzogen,  da hilft also nur die Nahtzugabe zu markieren. Und das bei jedem Teil, an jedem Streifen, und mit Stecknadeln stecken ... undundund.

Hier markiert man EINmal und das war es dann auch schon. Das Aufzeichnen ist ein Klacks, die Streifenbreite muß nicht einmal richtig zugeschnitten sein. Was dann übersteht, das schneidet man weg.

Nächster Vorteil -- die Maße bei denen man sich denkt, ich würde ja gerne, aber von Hand ist das umöglich. Näht mal einen Log Cabin Block mit 7,5 cm fertigem Maß mit einer Mitte, die kein gerades Zuschnittmaß hat ... also viel Spaß dabei ;) Sobald die Streifenbreiten keine optimalen Maße haben ist man verloren. Hier ist das völlig egal, man kann also auch gut die Zwischenblöcke für Jeannekes Häuschen (sofern man denn nicht 366 Häuser nähen will) so herstellen. Mit einer größeren Mitte, wo man auch noch ein kleines Detail einarbeiten kann. Einen xbeliebigen Log Cabin Block auf die Größe verkleinern die man will, und das war es auch schon.

Die zusätzliche Lage Stoff fällt nicht auf, man wählt einen leichten Muslin o.ä., den man heiss abdampft und dann ist man auf der sicheren Seite.

 Es erweitert den Quilthorizont, wenn man einmal von den (von sich selbst) vorgetrampelten Quiltpfaden abgeht und etwas anderes ausprobiert. Gerade bei Dear Jane Quilts oder ähnlichen Nähprojekten ist manchmal ein Wechsel der Technik das Gelbe vom Ei. Man kann auch Teile eines Blocks so herstellen, Handnäherinnen müssen meist auf die Segnungen des modernen PP mit der Maschine verzichten ;) Hier nicht, man kann jeden Block den Maschinennäherinnen in 1-2-3 herstellen beim DJ Quilt genau so harmlos herstellen als Handnäherin und sich nicht mit Mikrobenteilchen herumschlagen :)

Vielleicht wollt Ihr es einmal ausprobieren!

Kommentare:

  1. Liebe Roswitha,
    danke für diese schöne Erklärung und die "mahnenden" Worte, auch mal die alten Pfade zu verlassen :-).
    Du schreibst, es könnte auch die Umrandung von Jeannekes Häusern so genäht werden. Sprich, ich nähe die Häuser fertig und dann nur noch den Rand auf die Art und Weise? Das ist mir noch nicht ganz klar, wie ich dann vorgehen müsste.
    Gruß Sonja

    AntwortenLöschen
  2. Danke für dieses super Anleitung! Du hast vollkommen recht mit dem "von sich selbst vorgegebenen Pfad"! Hab ja diese putzigen Häuschen erst entdeckt und gebe dir recht, dass die Abwechslung mit so kleinen Log-cabins eine interessante Alternative ist. Liebe Grüße, Gabi

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Roswitha,
    DANKE, für die super Erklärung.
    Passt ja gut zum Wochenthema der "Quiltlinkgruppe"
    einen schönen Sonntag
    liebe Grüße aus Köln
    Gabi

    AntwortenLöschen